Wie du einen Webdesigner auswählst, ohne draufzuzahlen

Ein hübsches Portfolio sagt wenig. Worauf es wirklich ankommt, welche Fragen du stellen solltest — und die Warnsignale, die dir vor Vertragsabschluss auffallen sollten.

Lesezeit: ~9 Minuten · Aktualisiert: Juli 2026

Wenn du schon einmal mit einer Agentur schlechte Erfahrungen gemacht hast — verschwundener Ansprechpartner, endlose Nachforderungen, eine Seite, die nie fertig wurde —, bist du mit deiner Vorsicht nicht allein. Die gute Nachricht: Die meisten Warnsignale lassen sich erkennen, bevor du einen Cent überwiesen hast. Es braucht dafür kein technisches Wissen, nur die richtigen Fragen zur richtigen Zeit.

Das Portfolio: mehr als hübsche Bildschirmfotos

Ein Portfolio voller schicker Screenshots sagt erstaunlich wenig darüber aus, ob jemand gute Arbeit abliefert. Screenshots zeigen nur einen eingefrorenen Moment — nicht, wie sich die Seite tatsächlich anfühlt, wenn man sie benutzt. Bevor du dich für jemanden entscheidest, prüfe stattdessen die echten Ergebnisse:

  • Ist die Seite überhaupt noch online? Öffne die im Portfolio verlinkten Projekte selbst. Wenn ein Drittel davon zu einer Fehlerseite führt oder offensichtlich nicht mehr gepflegt wird, ist das ein deutliches Signal.
  • Lädt sie schnell? Öffne sie auf deinem Handy, idealerweise mit mobilen Daten statt WLAN. Wenn sie spürbar zäh lädt, ist das nicht nur ärgerlich, sondern verrät auch, wie ernst der Anbieter technische Sorgfalt nimmt.
  • Hat sie ein klares Ziel, das sie erreicht? Verstehst du innerhalb weniger Sekunden, was das Unternehmen anbietet und was du als Nächstes tun sollst? Eine Seite, die schön aussieht, aber keinen klaren Weg zum Kontakt oder Kauf zeigt, verfehlt ihren eigentlichen Zweck.
  • Sind die Referenzen glaubwürdig? Ein kurzer Blick, ob das genannte Unternehmen wirklich existiert und die verlinkte Seite tatsächlich zu ihm gehört, dauert zwei Minuten und erspart dir böse Überraschungen.

Fragen, die echte Kompetenz zeigen

Im Erstgespräch verrät nicht die Antwort auf „Was kostet das?" am meisten, sondern wie jemand auf Prozessfragen reagiert. Frag ruhig direkt:

  • „Wie läuft der Ablauf von der Unterschrift bis zum Livegang konkret ab, und wie lange dauert das erfahrungsgemäß?"
  • „Wer schreibt die Texte — ich, du, oder gemeinsam?"
  • „Was passiert, wenn nach dem Launch noch etwas geändert werden soll — ist das inklusive oder kostet das extra?"
  • „Läuft die Website danach auf einem System, das ich auch ohne dich bedienen kann, oder brauche ich dich für jede kleine Änderung?"

Eine gute Antwort ist konkret: klare Phasen, realistische Fristen, ehrliche Aussagen zu dem, was inklusive ist und was nicht. Ausweichende, vage Antworten auf ganz normale Prozessfragen sind selbst schon eine Antwort.

Vertrags- und Eigentumsfragen: wem gehört was

Das ist der Punkt, an dem später die meisten Konflikte entstehen — und der am einfachsten vorab zu klären ist:

  • Die Domain sollte auf deinen Namen beziehungsweise dein Unternehmen registriert sein, in einem Konto, zu dem du selbst Zugang hast. Wenn eine Agentur darauf besteht, die Domain dauerhaft unter ihrem eigenen Konto zu führen, bist du im Streitfall von ihr abhängig, um überhaupt an deine eigene Adresse heranzukommen.
  • Der Code und die Dateien gehen nach vollständiger Bezahlung in dein Eigentum über — das gehört schriftlich fixiert, nicht mündlich zugesagt.
  • Der CMS-Zugang sollte dir als Administrator gehören, nicht nur der Agentur. Du solltest jederzeit selbst Texte oder Bilder austauschen können, auch wenn du es nicht regelmäßig tust.
  • Individuell erstellte Inhalte — eigens angefertigte Fotos, geschriebene Texte, ein Logo — sollten im Vertrag klar als dein Eigentum benannt sein, sobald bezahlt ist.

Faustregel: Alles, was für dein Geschäft essenziell ist, muss in deiner Kontrolle liegen, nicht nur in deinem Vertrauen zu einer Person oder Firma, die es vielleicht in zwei Jahren nicht mehr gibt.

Das ist kein hypothetisches Risiko. Freelancer wechseln den Beruf, Agenturen werden verkauft oder schließen, E-Mail-Adressen werden irgendwann nicht mehr abgerufen. Wenn in einem solchen Fall die Domain, der Hosting-Zugang oder die einzige Kopie deiner Inhalte ausschließlich bei der anderen Seite liegen, stehst du im schlimmsten Fall komplett ohne Zugriff auf deine eigene Website da — mit allem, was das für Sichtbarkeit und laufende Kundenanfragen bedeutet.

Was eine Website realistisch kostet

Ein grobes Gefühl für die Preisspanne hilft, unrealistische Angebote in beide Richtungen zu erkennen. Für eine einfache, professionell gestaltete Website mit wenigen Seiten bewegen sich die Angebote freiberuflicher Webdesigner in Deutschland und Österreich üblicherweise irgendwo zwischen niedrigen drei- und niedrigen vierstelligen Beträgen, abhängig von Umfang, individuellem Design und Textarbeit; Agenturen liegen aufgrund höherer Fixkosten meist darüber. Ein Angebot, das drastisch unter allem liegt, was du sonst gehört hast, bedeutet fast immer, dass irgendwo gespart wird — an eigens geschriebenen Texten, an individuellem Design, an der Zeit für Tests, oder schlicht am Support nach dem Launch. Das muss kein Ausschlusskriterium sein, aber es lohnt sich, konkret nachzufragen, was genau für den Preis enthalten ist.

Das Erstgespräch als Testlauf

Wie jemand auf dein erstes Anliegen reagiert, sagt oft mehr über die künftige Zusammenarbeit als jedes Portfolio. Antwortet die Person in vernünftiger Zeit? Stellt sie von sich aus Rückfragen zu deinem Geschäft, oder schickt sie sofort ein Standardangebot, ohne überhaupt verstanden zu haben, was du eigentlich brauchst? Ein gutes Erstgespräch fühlt sich an wie ein Gespräch mit einem Handwerker, der sich erst dein Problem ansieht, bevor er einen Preis nennt — nicht wie ein Verkaufsgespräch, das unbedingt zum Abschluss gedrängt werden soll.

Zahlungsstruktur

Marktüblich sind bei kleineren Projekten gestaffelte Zahlungen — zum Beispiel eine Anzahlung bei Auftragserteilung, eine Rate bei einem Zwischenstand und der Rest bei Fertigstellung und Übergabe. Diese Struktur schützt beide Seiten: Der Anbieter hat Sicherheit, dass das Projekt nicht ohne jede Zahlung abgebrochen wird, und du zahlst den größten Teil erst, wenn du das Ergebnis tatsächlich siehst. Sei vorsichtig bei einer Forderung nach hundert Prozent Vorkasse, bevor auch nur ein Entwurf existiert — das dreht das übliche Risiko komplett auf deine Seite.

Die Warnsignale

  • Kein schriftlicher Vertrag oder kein klar umrissener Leistungsumfang — nur mündliche Zusagen. Ohne schriftliche Grundlage gibt es im Streitfall kein gemeinsames Verständnis davon, was eigentlich vereinbart war.
  • Zögerliches oder ausweichendes Verhalten bei der Bitte um echte, überprüfbare Referenzen — ein Anbieter mit guter Arbeit zeigt sie in der Regel gerne.
  • Bestehen darauf, Domain und Hosting dauerhaft unter eigenem Konto zu behalten, auch nach Projektabschluss und vollständiger Bezahlung.
  • Forderung nach vollständiger Vorauszahlung, bevor überhaupt ein erster Entwurf existiert.
  • Kein realistischer Zeitplan, nur ein vages „wird schon bald fertig" ohne konkrete Meilensteine.
  • Ein Preis, der deutlich unter allem liegt, was du sonst gehört hast, ohne nachvollziehbare Erklärung, was dafür eingespart wird.
  • Keine Antwort darauf, was nach dem Launch passiert — Wartung, Support, Ansprechpartner bei Problemen, Kosten für spätere Anpassungen.

Die Frageliste zum Kopieren

Diese Fragen kannst du direkt in eine E-Mail an einen Anbieter kopieren, bevor du dich entscheidest:

  • Kann ich zwei bis drei Referenzprojekte sehen, die noch live sind und zu denen ich den Kunden direkt fragen könnte?
  • Wie läuft der Prozess von der Beauftragung bis zum Livegang ab, und mit welcher Dauer sollte ich realistisch rechnen?
  • Wird die Domain auf meinen Namen registriert, mit direktem Zugriff für mich?
  • Erhalte ich nach Fertigstellung vollen Administratorzugang zum CMS?
  • Wie ist die Zahlung gestaffelt — Anzahlung, Zwischenrate, Restzahlung?
  • Was kostet eine Änderung nach dem Launch, und ist ein Zeitraum für kleinere Anpassungen im Preis enthalten?
  • Was passiert mit meinen Dateien und Inhalten, falls ich später zu einem anderen Anbieter wechseln möchte?

Wer diese Fragen offen und konkret beantwortet, hat in der Regel nichts zu verbergen. Wer ausweicht, hat dir gerade die wichtigste Information des ganzen Gesprächs gegeben — kostenlos, noch bevor du unterschrieben hast. Nimm dir für diese eine E-Mail zehn Minuten Zeit, bevor du dich für einen Anbieter entscheidest; verglichen mit den Monaten, in denen du danach mit der Website arbeitest, ist das eine der besser investierten Viertelstunden im ganzen Projekt.

Bevor du dich entscheidest: Lass deine aktuelle Seite — oder die eines Kandidaten aus dem Portfolio — kostenlos analysieren.

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