Baukasten, Freelancer oder Agentur — ein ehrlicher Vergleich

Keine der drei Optionen ist grundsätzlich die falsche. Hier sind die echten Kosten, der echte Zeitaufwand und die echte Qualitätsgrenze jeder Lösung — damit du selbst entscheiden kannst, welche zu dir passt.

Lesezeit: ~9 Min. · Aktualisiert: Juli 2026

Diese Entscheidung wird meistens mit dem Bauchgefühl getroffen, oft nach dem ersten Angebot, das zu teuer wirkt, oder dem ersten Wix-Werbevideo, das zu einfach klingt. Beides führt manchmal zur falschen Entscheidung für die eigene Situation. Hier ist der Vergleich, so ehrlich wie möglich — inklusive der Fälle, in denen der Baukasten tatsächlich die bessere Wahl ist.

Die drei Wege im Überblick

Bevor es um Zahlen geht, lohnt sich ein kurzer, nüchterner Blick darauf, was hinter jeder der drei Optionen eigentlich steckt — denn die Begriffe werden im Alltag oft munter durcheinandergeworfen.

  • Baukasten (Wix, Jimdo, WordPress in Eigenregie): du baust und pflegst die Seite selbst, mit einem fertigen System und vorgegebenen Bausteinen. Es gibt keinen Ansprechpartner außer dem Support des Anbieters, dafür volle Kontrolle über Tempo und Umfang.
  • Freelancer: eine einzelne Person übernimmt Design und Umsetzung für dich, meist günstiger als eine Agentur, mit direktem persönlichem Kontakt und oft kurzen Entscheidungswegen, weil keine internen Abstimmungen nötig sind.
  • Agentur / Studio: ein Team übernimmt Konzeption, Design, Technik und oft auch die laufende Betreuung, mit klarerem Prozess und mehr Absicherung, falls eine Person ausfällt oder wechselt.

Echte Kosten über drei Jahre

Reine Projektpreise sagen nicht die ganze Wahrheit — entscheidend ist, was über mehrere Jahre tatsächlich zusammenkommt.

  • Baukasten: keine Projektkosten, dafür laufend etwa 15–50 € im Monat je nach Tarif, macht über drei Jahre grob 550–1.800 €. Eine eigene Domain ist oft im ersten Jahr enthalten, danach kommen etwa 15–20 € im Jahr dazu.
  • Freelancer: einmalig etwa 800–5.000 € für das Projekt, plus separat Domain, Hosting und gelegentliche Änderungen — bei den meisten kleinen Projekten realistisch ein niedriger dreistelliger Betrag pro Jahr obendrauf.
  • Agentur / Studio: klassische Agenturen berechnen einmalig etwa 3.600–18.000 €, oft mit einer monatlichen Betreuungspauschale von grob 60–250 € für Hosting, Updates und Support. Daneben haben sich in den letzten Jahren auch schlankere Studios mit deutlich niedrigeren Festpreisen etabliert — unser eigenes Modell liegt zum Beispiel bei einem Festpreis ab 380 € für die erste vollständige Version.

Diese Zahlen schwanken stark je nach Anbieter, Region und Projektumfang — nimm sie als Größenordnung, nicht als exaktes Angebot für deinen Fall. Wichtiger als die einzelne Zahl ist die Struktur dahinter: beim Baukasten zahlst du kontinuierlich und wenig, bei Freelancer und Agentur einmalig mehr und danach deutlich weniger.

Zeitaufwand des Inhabers

Diese Rechnung wird beim Baukasten am häufigsten vergessen. Du sparst zwar das Honorar für Design und Umsetzung, zahlst aber mit deiner eigenen Zeit — für das Erlernen des Systems, das Einpflegen der Inhalte, das Reagieren auf Update-Hinweise und das Beheben kleinerer Probleme, die bei einem betreuten Projekt einfach jemand anders übernimmt. Für jemanden, der ohnehin schon zwölf Stunden am Tag im eigenen Geschäft steht, ist diese Zeit oft die eigentlich knappe Ressource, nicht das Geld.

Beim Freelancer bleibt der Aufwand für dich gering, solange er verfügbar ist — du bist aber von der Verfügbarkeit einer einzigen Person abhängig, was bei Urlaub, Krankheit oder einem vollen Auftragsbuch spürbar werden kann. Eine kleine Änderung, die eigentlich in einer Stunde erledigt wäre, kann so schon einmal zwei Wochen auf die Antwort warten. Bei einer Agentur oder einem Studio ist dein eigener Zeitaufwand am geringsten, weil ein Team die Verantwortung trägt, statt einer einzelnen Person — fällt jemand aus, übernimmt eine Kollegin oder ein Kollege, ohne dass du davon überhaupt etwas mitbekommst.

Die Qualitätsgrenze

Jede Lösung hat eine Decke, an die sie irgendwann stößt. Beim Baukasten liegt sie bei individuellem Design und komplexeren Schnittstellen — du bewegst dich innerhalb der Bausteine, die der Anbieter zur Verfügung stellt, und viele dieser Systeme laden im Hintergrund mehr Code, als für die eigentliche Seite nötig wäre, was sich auf die Ladezeit auswirken kann. Auch eine tiefere Anbindung an eine Kassensoftware oder ein branchenspezifisches Buchungssystem ist bei den meisten Baukästen entweder gar nicht oder nur über Umwege möglich.

Bei Freelancern schwankt die Qualität stark mit der einzelnen Person — manche liefern hervorragende Arbeit, andere sind Quereinsteiger ohne technischen Unterbau, und von außen ist das vor dem ersten Projekt schwer zu unterscheiden. Bei einer Agentur oder einem Studio ist die Qualität meist gleichmäßiger, weil ein Prozess mit mehreren Augen dahintersteht, dafür bezahlst du in der Regel auch für diesen Prozess mit.

Eigentum und Abhängigkeit

Bei einem Baukasten gehört dir zwar der Inhalt, aber technisch bist du an die Plattform gebunden — du kannst deine Seite in aller Regel nicht als eigenständigen Code mitnehmen und woanders weiterbetreiben. Stellst du die Zahlung ein, ist die Seite meist sofort offline, und ein Wechsel zu einem anderen System bedeutet praktisch einen Neubau von Grund auf, nicht einen einfachen Umzug.

Bei Freelancern und Agenturen hängt es vollständig vom Vertrag ab: Gehört dir am Ende die Domain, der Code, alle Inhalte — oder bleibt etwas beim Anbieter? Genau das ist der Grund, warum sich diese Frage lohnt, bevor du unterschreibst, egal für welche der beiden Optionen du dich entscheidest. Ein seriöser Anbieter hat kein Problem damit, dir schriftlich zuzusichern, dass am Ende alles dir gehört.

Wann sich ein Wechsel lohnt

Ein Baukasten ist kein Fehler, den man irgendwann korrigieren muss — aber es gibt Momente, in denen er spürbar an seine Grenzen stößt. Typische Signale: du verbringst regelmäßig Stunden mit Kleinigkeiten, die sich einfach anfühlen sollten. Du brauchst eine Funktion, die dein System schlicht nicht anbietet, etwa eine Anbindung an eine bestimmte Buchungs- oder Kassensoftware. Oder dein Geschäft ist gewachsen, und die Website soll jetzt mehr leisten als am Anfang, als du sie in einem Wochenende zusammengeklickt hast. Keines dieser Signale bedeutet, dass du etwas falsch gemacht hast — es bedeutet nur, dass sich die Rechnung inzwischen anders aufstellt als zu Beginn.

Für wen was wirklich passt

Der Baukasten passt, wenn du gerade erst startest, ein sehr enges Budget hast, Lust hast, selbst Hand anzulegen, und deine Anforderungen einfach sind — eine Idee testen, ein Nebenprojekt, eine erste Onlinepräsenz, bevor mehr Budget da ist. Das ist keine Notlösung, sondern für diese Situation oft die vernünftigste. Wer sich dabei unwohl fühlt, selbst Hand anzulegen, oder wem die Zeit dafür fehlt, sollte diesen Weg allerdings auch ehrlich meiden, egal wie günstig er auf dem Papier aussieht.

Ein Freelancer passt, wenn du ein individuelles Ergebnis willst, mit einer Person direkt sprechen möchtest, und ein begrenztes Risiko akzeptieren kannst, falls diese eine Person mal nicht sofort verfügbar ist. Frag in diesem Fall gezielt nach Referenzen von abgeschlossenen Projekten — bei einer einzelnen Person zählt die persönliche Erfahrung mehr als bei einem größeren Team.

Eine Agentur oder ein Studio passt, wenn dir Verlässlichkeit und ein fester Prozess wichtiger sind als der niedrigste Preis, wenn Schnittstellen zu anderen Systemen dazukommen, oder wenn du für dein eigenes Geschäft schlicht keine Zeit hast, dich nebenbei um eine Website zu kümmern. Der Aufpreis gegenüber einem Freelancer kauft dir in erster Linie Absicherung, nicht zwangsläufig ein besseres Design.

Keine dieser drei Antworten ist die „richtige" — nur die, die zu deiner aktuellen Situation passt. Wenn du unsicher bist, wo deine Seite gerade steht, egal auf welchem der drei Wege sie entstanden ist, lohnt sich zuerst ein nüchterner Blick auf den Ist-Zustand, bevor du in eine neue Lösung investierst. Die teuerste Entscheidung ist selten die falsche Plattform — es ist, gar keine bewusste Entscheidung zu treffen und einfach bei dem zu bleiben, womit man vor Jahren zufällig angefangen hat.

Egal ob Baukasten, Freelancer oder Agentur — willst du wissen, wo deine aktuelle Seite heute steht?

Kostenlose Website-Analyse →

Was kostet eine Website wirklich? →  ·  Zurück zum Blog