Was kostet eine Website 2026 wirklich?

Drei Angebote, drei völlig unterschiedliche Preise — und keins davon ist automatisch falsch. So liest du ein Website-Angebot wie ein Profi und erkennst, wofür du wirklich bezahlst.

Lesezeit: ~8 Min. · Aktualisiert: Juli 2026

Du hast drei Angebote für deine neue Website eingeholt. Eines liegt bei 600 Euro, eines bei 3.200 Euro, eines bei 11.000 Euro — für praktisch dieselbe Anfrage. Jetzt sitzt du da und fragst dich, ob dich zwei der drei Anbieter über den Tisch ziehen wollen, oder ob der günstigste einfach schlechte Arbeit abliefert. Die ehrliche Antwort: meistens ist keins von beidem der Fall. Die drei Angebote beschreiben schlicht drei unterschiedliche Produkte, auch wenn überall „Website" draufsteht.

Dieser Artikel schlüsselt auf, wodurch der Preis wirklich entsteht, damit du Angebote vergleichen kannst, statt nur Zahlen nebeneinanderzulegen.

Die Preisspannen, ehrlich betrachtet

Fangen wir mit Zahlen an, auch wenn sie unbequem breit sind. Deutsche Webdesigner und Agenturen nennen für 2026 grob folgende Rahmen für ein typisches Unternehmensprojekt:

  • Freelancer: etwa 800–5.000 € pro Projekt, je nach Umfang und Erfahrung, mit Stundensätzen von ungefähr 50–120 €.
  • Agenturen: etwa 3.600–18.000 € pro Projekt, mit Stundensätzen von ungefähr 100–180 €.
  • Baukästen (Wix, Jimdo & Co.): keine Projektkosten, dafür laufend rund 15–50 € im Monat.
  • Eine einfache Visitenkarten-Website mit drei bis fünf Seiten liegt oft ab 1.000 € beim Freelancer oder ab 2.000 € bei einer Agentur.
  • Ein individuelles WordPress-Projekt mit sauberem SEO-Fundament bewegt sich häufig zwischen 5.000 und 12.000 €.

Diese Spannen schwanken um mehrere Tausend Euro — das ist keine Unschärfe in der Recherche, sondern die Realität des Markts. Kleine Studios mit niedrigeren Fixkosten, spezialisierte Agenturen mit großem Team und Einzelkämpfer mit wenig Overhead kalkulieren fundamental anders. Nimm diese Zahlen als groben Rahmen, nicht als Preisliste.

Ein Teil dieser Spanne erklärt sich schlicht durch Fixkosten. Eine Agentur mit Büro in der Innenstadt, einem zehnköpfigen Team und eigener Projektleitung muss diese laufenden Kosten in jedem Angebot mit einpreisen — unabhängig davon, wie viel Arbeit die konkrete Website tatsächlich macht. Ein kleines Studio oder ein Einzelkämpfer mit wenig Overhead kann für vergleichbare Qualität oft spürbar günstiger kalkulieren, einfach weil weniger Fixkosten auf jedes einzelne Projekt umgelegt werden müssen. Das sagt für sich genommen nichts über die Qualität aus — es erklärt nur, warum die Zahlen so weit auseinanderliegen können, obwohl am Ende ein ähnliches Ergebnis herauskommt.

Was den Preis wirklich bestimmt

Zwei Websites mit derselben Seitenzahl können trotzdem beim Fünffachen des Preises landen. Das liegt an diesen Stellschrauben:

  • Seitenzahl und Komplexität: eine Startseite mit Kontaktformular ist etwas anderes als ein Onlineshop mit Produktkatalog, Filterfunktion und Kundenkonto. Jede zusätzliche Unterseite mit eigenem Inhalt, jede Formularlogik und jede Sonderfunktion braucht eigene Planungs- und Umsetzungszeit.
  • Individuelles Design vs. Vorlage: ein Design, das exakt für deine Marke gezeichnet wird, kostet spürbar mehr Zeit als eine angepasste Vorlage — dafür sieht es auch niemand woanders schon einmal gesehen. Eine gut gewählte, angepasste Vorlage ist kein Kompromiss in schlecht, sondern ein bewusster Mittelweg zwischen Budget und Individualität.
  • Texte: wer schreibt die Inhalte? Wenn du selbst liefertext-fertige Texte hast, sinkt der Preis. Wenn ein Profi sie für dich formulieren soll, kommt ein eigener Posten dazu — professionelles Copywriting wird oft separat berechnet, weil gutes Texten genauso viel Handwerk ist wie das Design selbst.
  • Fotos: echte Fotos von deinem Betrieb, deinem Team, deinen Produkten kosten entweder ein Fotoshooting oder zumindest Zeit für die Auswahl. Reine Stockfotos sind billiger, wirken aber austauschbar, weil dieselben Bilder oft schon auf Dutzenden anderen Seiten zu sehen sind.
  • Schnittstellen: Terminbuchung, Zahlungsanbieter, Newsletter-Anbindung, Anbindung an eine Kassensoftware oder ein CRM — jede zusätzliche Verbindung zu einem externen System bedeutet mehr Entwicklungsaufwand, mehr Testarbeit, und oft laufende Lizenzkosten des jeweiligen Drittanbieters obendrauf.
  • Laufender Betrieb: Hosting, Domain, Backups, Sicherheitsupdates und kleinere Textänderungen nach dem Launch — das läuft selten im Projektpreis mit, sondern meist als monatlicher oder jährlicher Posten weiter.

Festpreis oder Stundensatz?

Bei einem Festpreis steht am Anfang fest, was du zahlst und was du dafür bekommst — ein klar umrissener Leistungsumfang zu einer festen Summe. Das gibt dir Planungssicherheit, verlangt aber, dass beide Seiten vorher genau festlegen, was „fertig" bedeutet.

Bei einem Stundensatz zahlst du für die tatsächlich aufgewendete Zeit. Das passt gut zu Projekten, die sich unterwegs verändern — etwa eine komplexe Individualentwicklung, bei der niemand am Anfang genau weiß, wie viel Aufwand einzelne Funktionen brauchen. Für eine gewöhnliche Unternehmenswebsite ist ein Stundensatz dagegen riskant: die geschätzten „ungefähr 40 Stunden" werden im Alltag schnell zu 60, und die Rechnung wächst mit.

Als Faustregel: je klarer der Umfang im Voraus definierbar ist, desto sinnvoller ein Festpreis. Nur bei echten Individualprojekten mit offenem Ende ist ein Stundensatz fairer für beide Seiten.

Was ein faires Angebot aufschlüsseln muss

Ein Angebot, das nur eine einzige Zahl und den Satz „Website nach Ihren Wünschen" enthält, ist kein Angebot, sondern eine Wette. Ein seriöses Angebot listet mindestens:

  • Die genaue Seitenzahl bzw. den Funktionsumfang, der enthalten ist.
  • Wer die Texte liefert — du, das Studio, oder ein externer Texter — und was das kostet.
  • Wer die Bilder liefert, und ob ein Fotoshooting Teil des Pakets ist.
  • Wie viele Korrekturrunden im Preis enthalten sind, bevor zusätzliche Änderungen extra berechnet werden.
  • Was nach dem Launch passiert: Hosting, Wartung, Support — und was das monatlich oder jährlich kostet.
  • Eine realistische Zeitschiene mit konkretem Liefertermin, nicht nur ein „in ein paar Wochen".
  • Was ausdrücklich nicht enthalten ist.

Laufende Kosten, die gern vergessen werden

Der Projektpreis ist nicht die ganze Rechnung. Dazu kommen typischerweise eine Domain für etwa 15–20 € im Jahr, Hosting, und je nach Anbieter eine monatliche Betreuungspauschale — in Deutschland kursieren dafür Größenordnungen von grob 60 bis 250 € im Monat, je nachdem, was genau enthalten ist (reines Hosting versus aktive Pflege mit Updates und kleinen Änderungen). Frag das explizit ab, bevor du unterschreibst, sonst kommt die Überraschung erst nach dem Launch.

Rechne diese laufenden Kosten testweise auf drei Jahre hoch, bevor du zwei Angebote vergleichst. Ein niedrigerer Projektpreis mit hoher monatlicher Betreuungspauschale kann über drei Jahre teurer werden als ein höherer Projektpreis mit günstigerem laufendem Betrieb — auf dem Papier sieht das erste Angebot trotzdem attraktiver aus, wenn man nur die erste Zahl vergleicht.

Checkliste: Frag das jede Agentur vor der Unterschrift

  • Ist die genannte Summe ein Festpreis oder nur eine Schätzung?
  • Wie viele Seiten sind genau enthalten, und was kostet eine zusätzliche Seite später?
  • Wer schreibt die Texte, und was kostet professionelles Copywriting, falls ich es brauche?
  • Wie viele Korrekturrunden sind inklusive, bevor Änderungen extra berechnet werden?
  • Wem gehört die fertige Website — kann ich Domain und Inhalte zu einem anderen Anbieter mitnehmen?
  • Was passiert, wenn ich den Wartungsvertrag kündige — bleibt die Seite dann online, und wer betreut sie?
  • Was kostet der Betrieb pro Monat, und was genau ist darin enthalten?
  • Gibt es im Vertrag ein festes Lieferdatum, oder nur ein „in der Regel"?

Wenn eine Agentur auf diese Fragen zögernd oder ausweichend antwortet, sagt das mehr über den Preis als jede Zahl im Angebot. Ein fairer Anbieter kann jede dieser Fragen in einem Satz beantworten — genau danach lohnt es sich zu fragen, bevor du dich für ein Angebot entscheidest.

Am Ende lohnt es sich, weniger auf die erste Zahl zu schauen und mehr auf das, was hinter ihr steckt. 900 Euro für eine Website ohne eigene Texte, ohne Fotos und mit drei Vorlagen-Seiten kann ein faires Angebot sein — genauso wie 6.000 Euro für ein individuelles Design mit professionellem Copywriting, eigenem Fotoshooting und einer Terminbuchung, die direkt in dein Kassensystem einträgt. Beide Zahlen können richtig sein. Falsch wird es erst, wenn du nicht weißt, wofür genau du bezahlst.

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